Happy Valentine’s Day

Der Valentinstag spaltet Jahr für Jahr die Gemüter. Für die einen eine reine Erfindung der Blumenläden, für die anderen reinste Romantik. Und auch wir sind geteilter Meinung.

Be my Valentine!

von Charlotte

Es wimmelt nur so vor roten Rosen (echte, aus Papier, aus Marzipan, aus Plastik), roten Herzen, roten Süßigkeiten. Sie erinnern mich jedes Jahr an einen Tag, den ich ansonsten für einen ganz gewöhnlichen Tag halten würde: den Valentinstag, den Tag der Liebenden.

Es ist erstaunlich, dass es nach wie vor genügend Liebende gibt, die der Industrie diesen lukrativen Tag verschaffen, wo doch die Zahlen der Singles angeblich höher denn je sind. Wer Single ist, hasst diesen Tag vermutlich. Inzwischen gibt es am Valentinstag aber auch Events und Specials zu Genüge, um nicht länger ein Single-Dasein fristen zu müssen. Partys und Feten und ganz besonders günstige Lock-Angebote auf Singlebörsen. So ist für jeden etwas dabei, auch für alle, die daraus ihren Gewinn ziehen eben auch jene zu erreichen, die mit dem Valentinstag eigentlich gar nichts am Hut haben..

Eine Erfindung des Blumenhandels soll der Valentinstag sein, reiner Kommerz schimpft meine Mutter jedes Jahr aufs Neue. Als bekennender Anhänger unserer Konsumgesellschaft schließe ich mich aber allzu gerne diesem inzwischen nicht mehr allzu neuen Anlass an. Mal bastle ich eifrig, mal gönne ich meinem Liebsten (nicht ganz uneigennützig) eine Schachtel Pralinen und am allerbesten gefällt mir der Valentinstag, wenn ICH etwas bekomme (wie Frau so ist).

Einmal hat meine bessere Hälfte mir einen wunderhübschen Strauß roter Rosen ins Büro geschickt. Als der Bote mit dem Strauß im Eingangsbereich stand, habe ich nicht daran gedacht, dass er für mich sein könnte. Und so sehr ich mich – schon von hause wegen – gegen den Valentinstag gesträubt habe, ich habe mich selten so sehr gefreut, wie an diesem Tag. Das hätte ich auch an jedem anderen Tag getan, aber wie soll ich sagen: Geschenke brauchen Anlässe. Vielleicht, weil nur dann auch darüber geredet wird, weil nur dann Interesse daran besteht, was wer von wem bekommen hat. Das ist furchtbar schade, ich weiß, weil man sich doch nicht nur an diesem einen Tag zeigen möchte, wie sehr man einander schätzt. Aber schätzen wir nicht auch unsere Mütter und Väter das ganze Jahr über? Was sollen dann bitteschön Mutter- und Vatertag? Und wenn wir schon dabei sind, Feierlichkeiten zu hinterfragen: Was macht es für einen Sinn an seinem Geburtstag zu feiern, dass man älter wird und dem Lebensabend stetig näher kommt?

Ich bin hoffnungslos romantisch. Und weil ich noch dazu sehr gerne schenke, kommt mir der Valentinstag ganz gelegen. Was ist so schlimm daran? Nur weil ich meinem Partner an diesem Tag eine kleine Freude mache, heißt das nicht, dass ich ihm den Rest des Jahres nicht zeige, wie viel er mir bedeutet.

 

Let it be!

von Ines

Hach, was hatten wir für einen wundervoll romantischen Valentinstag, F und ich. Erst waren wir auf dem Markt (Blumen! Wenn schon nicht gekauft, dann doch zumindest angeschaut), dann haben wir gemütlich gefrühstückt (Zeit zu zweit!), haben meinem Bruder und seiner Freundin beim Umzug in die erste gemeinsame Wohnung geholfen (also geholfen, ihr Liebesnest zu bereiten, ganz im Sinne des Heiligen Valentins!) und abends Freunde getroffen (natürlich auch ein Paar, quasi ein Double-Date, quasi die doppelte Zelebration unserer Liebe!). Hochromantisch also. Und so ziemlich genau das, was wir an jedem ganz gewöhnlichen Samstag auch gemacht hätten.

Und genau das war es für uns auch: ein ganz gewöhnlicher Samstag. Ehrlich gesagt hätte ich komplett vergessen, dass bzw. wann Valentinstag aka der Tag der Liebenden war, hätte mich nicht eine Freundin daran erinnert, indem sie mir erzählte, dass sie den Tag mit „Shades of Grey“ begehen wollte. Dann habe ich es wieder vergessen, bis meine Mutter mich mit einem ähnlichen Spruch wie Charlottes Mutter daran erinnert hat (wobei man zur Verteidigung meiner Mutter sagen muss, dass sie sich auch absolut nichts aus dem Muttertag macht). Dann habe ich es wieder vergessen, bis Charlotte mich daran erinnert hat mit der Frage, ob wir nicht eigentlich mal was über den Valentinstag schreiben wollen.

Und warum nicht, zumindest waren die Positionen schnell verteilt.

Ich bin Atheistin, aber trotzdem keine Weihnachten-Verweigerin oder Ostern-Gegnerin (im Gegenteil, F und ich vermischen beides gerne: Wir suchen und verstecken unsere Weihnachtsgeschenke). Ich bin nicht in der karnevalschen Hochburgregion geboren, fand die jecken Tage, als ich in Köln gelebt habe, dennoch ganz amüsant (unlustige Vermischung von Valentinstag und Fasching, gestern beim Bäcker entdeckt: Berliner in Herzform). Es ist total inkonsequent, ich weiß. Aber während ich Weihnachten gemütlich finde, Ostern lustig und Karneval noch lustiger, ist Valentinstag einfach nur eines: romantisch. Und ich hab’s nicht so mit Romantik. Zumindest nicht mit dem, was andere Menschen so für romantisch halten.

Das, was mir als romantisch erscheint, wird es wohl nie ins Guinness Buch der Romantik schaffen. Romantisch finde ich zum Beispiel, dass F alle Joghurt-Sorten, die ich gerne mag, im Schlaf aufsagen kann (und sie ab und zu sogar kauft): nichts, was rot ist, außer Himbeere, alles, was gelb ist, außer Vanille, keine Mischsorten, die Fruchtiges mit Unfruchtigem kombinieren (meine Horrorsorte wäre demnach Himbeer-Vanille, aber das würde F nie, nie, niemals kaufen. Wie romantisch!).

Mit meinem Ex hatte ich da schon größere Probleme. Er war nicht nur Fan von allem, was gängigerweise als romantisch gilt, vorzugsweise Kerzen, Rosen und herzförmige Kettenanhänger, sondern zudem ein ähnlich euphorischer Schenker wie Charlotte. Praktischerweise fiel unser Halbjahrestag auf den Valentinstag (Jahrestage finde ich nebenbei auch ziemlich cheesy, Halbjahrestage noch mehr, aber in einer Beziehung muss man ja angeblich Kompromisse machen – selbst wenn das bedeutet, damit zu leben, ab und an Blumen oder Schmuck geschenkt zu bekommen). So einigten wir uns stillschweigend darauf, das er mir am 14. Februar freudig etwas überreichte, meistens irgendwas Herzförmiges, und wir danach nicht mehr drüber sprachen.

Ich habe mich bisher standhaft geweigert, irgendjemandem irgendwas zum Valentinstag zu schenken. Aber dieses Jahr habe ich F dann doch Schokolade mitgebracht. Nicht zur Feier des Tages, sondern weil ich beim Einkaufen daran gedacht habe, dass ich keinen Joghurt kaufen muss – weil unser Kühlschrank voll ist mit all meinen Lieblingssorten. Aprikose, Zitrone, Pfirsich-Maracuja, Nektarine, Banane … und Ananas-Kokos, was ich nicht ausstehen kann, was sich F aber nicht merken kann. Andererseits ist Kokos ja auch eine Frucht. Irgendwie.

Die Kommentierung ist leider schon zuende.

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