Lass meine Sachen in Ruhe!

Kann man sich darauf verlassen, dass andere Menschen sich um unsere Sachen kümmern? Das haben wir kürzlich diskutiert. Auf eines kann man sich definitiv verlassen, findet Florian: dass andere Menschen seine Sachen zerstören. Jedenfalls, wenn es um den Menschen in seiner Wohnung geht…

von Florian

Ines ist ein guter Mensch. Und Ines ist gut zu anderen Menschen. Meistens ist sie zu gut zu anderen Menschen. Sie tut anderen Menschen zu viele Gefallen, zahlt anderen Menschen zu viel Geld, kümmert sich zu viel um die Probleme anderer Menschen. Es ist nur fair, dass viele Menschen auch gut zu ihr sind.

Ich hab’s nicht so mit Menschen. Menschen sind mir zu laut, Menschen sind schlecht gelaunt, Menschen nerven. Menschen wollen immer irgendwas von mir. Menschen sind immer da, wo ich keine Menschen um mich haben will. Ich hab gern meine Ruhe.

Ich mag Sachen. Ich pflege Sachen. Ich passe auf Sachen auf. Ich bin Ines’ Freund.

Ines sollte man besser keine Sachen anvertrauen. Sie lässt sie fallen, fällt darüber, sucht sie, verliert sie, verschmiert sie, zerstört sie, manchmal macht sie alles gleichzeitig. Viele Sachen transportiert sie in einer großen Handtasche, wo diese Sachen mit anderen Sachen in Kontakt kommen und sich gegenseitig zerstören. Ines findet nicht, dass das ein Problem ist.

In unserer neuen Wohnung gab’s neulich die Diskussion, ob wir ein gemeinsames Bücherregal nutzen sollten oder nicht. Ines hat viele Bücher, sie liest im Bett, auf der Couch, beim Zähneputzen, beim Mails schreiben, beim Essen, beim Nägel lackieren. Ines verschmiert ihre Bücher mit Zahnpasta, mit Schokolade, mit Nagellack. Manchmal mit allem auf einmal. Dann lässt sie sie fallen.

Ich will nicht, dass Ines meine Bücher zerstört.

Ines möchte, dass ich ihr Lieblingsbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ endlich lese. Das Buch sieht aus wie Sau, es tut mir leid, aber es ist wirklich so, ich weiß nicht, was sie damit alles gemacht hat. Ich kann dieses Buch so nicht lesen, das hab ich ihr auch gesagt. Ines mag auch keine Schutzhüllen. Sie reißt sie ab und schmeißt sie weg. Ich hingegen klebe eine durchsichtige Folie darüber. Ich kaufe auch gerne ein Zweitbuch, als Ersatz. Mein Lieblingsbuch habe ich als Hardcover (mit laminierter Schutzfolie) und als Taschenbuch, für den täglichen Gebrauch. Das Buch liegt zurzeit in vielen Geschäften im Angebot aus, für 4,99 Euro. Ich überlege, ob ich nicht noch eins kaufe, ein Drittbuch, zur Sicherheit, man weiß ja nie.

Meine Liebe zu Hunden macht mir Angst, seit ich Ines kenne. Hunde sind toll. Ich hätte gerne wieder einen Hund.

Im Buch 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches gibt es einen Abschnitt, der heißt „Sachen und Tiere“. In § 90a BGB steht: „Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.“

Wenn Ines und ich mal einen Hund haben sollten, wendet sie ihr Verhalten dann auch entsprechend an? Ich sollte dringend ein besonderes Gesetz erlassen oder etwas anderes bestimmen, solange es noch nicht zu spät ist. Ich will nicht, dass Ines meinen Hund zerstört, indem sie ihn fallen lässt, drauf fällt, von ihm runter fällt oder ihn mit Essen beschmiert. Er hat ihr doch nichts getan.

Tiere sind doch auch nur Menschen.

2 Gedanken zu “Lass meine Sachen in Ruhe!

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