Losing our control

Losing our control: Von Privatsphäre und Kontrollverlust

Und wieder eine Facebook-Story: Erschreckend, wie wenig Kontrolle wir über unsere Daten haben. Das musste Charlotte kürzlich gewissermaßen am eigenen Leib erfahren. Von kuriosen Erfahrungen und ernüchternden Erkenntnissen.

von Charlotte

Another Facebook-Story. Tatsächlich scheint das Social Web ein unerschöpflicher Themenfundus zu sein. Erst kürzlich ist Facebook auf den trendigen Zug des Privatsphäre-Schutzes aufgesprungen: Wer sich neu im größten sozialen Netzwerk anmeldet, zeigt seine Inhalte automatisch erst einmal nur „Freunden“ an. Zuvor waren alle Inhalte öffentlich sichtbar, das heißt für JEDEN. Keine idealen Voraussetzungen jedenfalls für Facebook-Frischlinge, die die Privatsphäre-Einstellungen überhaupt erst einmal finden müssen. Und ob da wirklich Nutzerfreundlichkeit hintersteckt oder doch reines Kalkül (wer seine Inhalte nicht öffentlich anzeigt, macht in anderer Leutes Newsfeed schließlich Platz für Werbeanzeigen, die Facebook Geld einbringen) ist fraglich.

Um festzustellen, wie undurchsichtig manche Inhalte auf Facebook sind, kann es helfen, ab und an die eigene Chronik zu durchforsten. Dann bemerkt man nämlich z.B., wo man schon überall – gemeinsam mit Facebook – war. Ich war laut Facebook schon in Asien. Offenbar funktioniert die Karte dort nicht immer besonders gut, sodass die Lanxess Arena (eigentlich in Köln verortet) plötzlich den Ort gewechselt und im tiefsten Asien angesiedelt war. An der Chronik meines Freundes fand ich neulich eine noch merkwürdigere Ungereimtheit. Er hatte verganeges Jahr ein Foto gepostet. Wer das öfter macht, weiß: Man kann auf Fotos andere Personen markieren und auch den Aufnahmeort angeben. Muss man aber nicht und macht auch nicht immer Sinn. Im Falle eben dieses Fotos machte es absolut keinen Sinn. Umso erstaunlicher, dass besagtes Foto heute mit einem Ort versehen ist, an dem es definitiv NICHT entstanden ist (zumal es auch inhaltlich keinen logischen Zusammenhang zwischen Foto und Lokation gab). Als ich meinen Freund darauf hinwies, war er selbst erstaunt und erschrocken, versuchte, den Ort einfach wieder zu entfernen und musste feststellen, dass eben das nicht möglich war. Gruselig.

Ein anderes Beispiel: Als ich den Newsfeed auf meiner Facebook-Startseite durchstöberte, fand ich dort ein Event, das ganz nett aussah und an dem meine liebe Kollegin offensichtlich teilnehmen würde. Wenig später sprach ich sie darauf an und fragte sie, was das denn genau für ein Event sei. Ebenso erschrocken wie mein Freund über den Foto-Ort erzählte sie mir, dass sie schon mehrere Freunde danach gefragt haben und sie von dem Event noch nie etwas gehört habe. Sie habe die Seite weder geliked, geschweige denn der Veranstaltung zugesagt oder Ähnliches. Selbiges Phänomen habe ich auch bereits mit einer Freundin erlebt. Ich wage zu bezweifeln, dass all diese sonst sehr aufrichtigen Menschen plötzlich zu Lügnern mutieren.

Vor einiger Zeit habe ich mich mit meinem Bruder in einer privaten Facebook-Unterhaltung über eine schicke Jacke ausgetauscht, zu deren Veranschaulichung auch ein Link zu einem Online-Shop mitgeschickt wurde. Kurz darauf erschien exakt diese Jacke als Werbeanzeige auf meiner Facebook-Startseite. Eine Jacke, über die ich mich in einer PRIVATEN Nachricht ausgetauscht habe. Da kann man eigentlich auch gleich alles öffentlich posten!

Mein einstiger Brieffreund – inzwischen sind wir auf neuere Medien umgestiegen – hat kürzlich Konsequenzen gezogen (auch, weil er festgestellt hat, dass das neurotische Warten auf Neuigkeiten Zeitverschwendung ist): Er hat sich abgemeldet. Und kaum zu glauben, aber wahr: Wir haben trotzdem noch Kontakt. Ich lehne mich einmal weit aus dem Fenster und behaupte: Der Trend wird eines Tages weg von Sozialen Medien gehen. Während wir immer transparenter für die Allgemeinheit werden, werden es die Machenschaften im Netz nämlich nicht. Kontrollverlust hat uns schon immer irgendwie nervös gemacht, oder? Und dass wir gerne auch die Kontrolle darüber haben wollen, was mit den Informationen über uns passiert, zeigen die aktuellen News über Google: Nur einen Tag nach Online-Stellen des Formulars zur Löschung von Google-Einträgen haben bereits 12.000 Europäer Gebrauch von ihrem Recht auf Vergessenwerden gemacht.

Die Kommentierung ist leider schon zuende.

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