Riese frisst Riese

Riese frisst Riese: Facebook kauft WhatsApp

Das Thema der letzten Tage: Für 19 Milliarden Euro kauft Facebook einen seiner größten Konkurrenten. Der Aufschrei ist groß, europäische Datenschützer rufen zum Boykott auf. Ist es dafür nicht ein bisschen zu spät?

von Charlotte

Es war wohl das größte Thema der letzten Tage: Facebook schluckt die Messenger-App WhatsApp für unglaubliche 19 Milliarden Euro. 19 Milliarden Euro sind so unfassbar viel Geld, dass ich es in meiner blühenden Phantasie nicht einmal ansatzweise verbraten könnte. Für alle möglichen Dinge und Reisen, die ich gerne einmal haben und unternehmen würde, käme ich wahrscheinlich mit schlappen 5 Millionen Euro hin. Ich sagte es ja schon mal, ich bin ein bescheidener Mensch. Nun also „Die Übernahme“ und alarmierte Aufschreie. Aufrufe zum Boykott sowohl von Facebook als auch von WhatsApp.

Was für Datenschützer ein riesen Skandal ist, ist für WhatsApp-User indes zur Normalität geworden. Oder besser gesagt schon immer Normalität gewesen. Denn unsere Generation, die diese und ähnliche Dienste nutzt, nutzte sie auch schon, bevor Datenschützer überhaupt die Lücken im System enttarnten. Ist es nicht praktisch, dass ich zu jeder in meinem Smartphone gespeicherten Nummer gleich sehen kann, ob oder dass derjenige auch WhatsApp nutzt? Und ist es nicht noch viel praktischer, dass ich zu jedem meiner WhatsApp-Kontakte sehen kann, wann er das letzte Mal online gewesen ist? Und wehe, er hat es seitdem versäumt, mir zu antworten! Das hat schon etwas von sozialer Kontrolle. Erst kürzlich habe ich gemerkt, dass meine Nachrichten an Ines nicht mehr zugestellt wurden. Ich dachte gleich, es sei etwas passiert, aber ihr Abo war lediglich abgelaufen. Puh. Facebook verrät uns dafür gerne, wer gerade von wo aus was gepostet hat und so fügt sich ein wunderbares Puzzle zusammen. Wir sind immer bestens darüber informiert, wer was wann und wo tut und finden das grandios spannend. Ich auch, ich gebe es zu. Auch wenn ich vermute, dass Facebook keine sehr „soziale“ Plattform ist, sondern eher eine Plattform der Selbstdarsteller und Mittelpunktsuchenden. Auch darüber schrieb ich bereits.

Was nun der ganze Aufschrei wegen der WhatsApp-Übernahme durch Facebook soll, weiß ich nicht. Egal welche App wir nutzen und welche unserer Daten fröhlich abgegriffen und gespeichert werden, es gibt immer einen, der noch über all dem steht: Ein amerikanischer Geheimdienst. Inzwischen höre ich mich förmlich immer öfter denken „Was soll’s? Die NSA weiß eh schon alles.“ Wahrscheinlich wissen die noch vor mir, wann ich das nächste mal in welchem Laden shoppen gehe. Was bringt es, jetzt plötzlich jede App zu boykottieren, die nicht auf europäischem Boden und bestenfalls auf deutschen Datenschutzbestimmungen gründend entwickelt wurde, wenn es im Archiv der gemeinen Geheimdienste schon eine komplette Akte über mich gibt. Kauft gerne Schuhe und Büromaterial im Internet, steht da wahrscheinlich. Kann man ja mal verwerten, diese Information. Wenn nicht für Anti-Terrorzwecke, so doch vielleicht durch einen gewinnbringenden Datenverkauf an Werbetreibende, die mich anschließend nicht nur mit zielgruppen-gerechter sondern mit charlotte-gerechter Werbung penetrieren. Und was nutzt der Rückgriff auf in Europa entwickelte Apps? Bei allem, wozu amerikanische Entwickler und Geheimdienste fähig sind und bei all den Lauschangriffen, die schon in Schröder-Zeiten stattgefunden haben und nie bemerkt wurden, traue ich kaum jemandem eine so wasserdichte Entwicklung zu. Sicher ist sicher. Ja, solange die datenschutztechnisch einwandfreien Apps nirgendwo Erwähnung finden. Wer weiß dann schon, ob nicht längst jemand mitliest. Sollte ich jemals in die USA reisen, muss ich mich wenigstens niemandem mehr vorstellen. Wenn ich sage, wer ich bin, lächelt mein Gegenüber vermutlich nur belustigt und antwortet „yes, I know!“ Ist doch praktisch, so erspart man sich lästigen Smalltalk.

Die Kommentierung ist leider schon zuende.

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