Risiken und Nebenwirkungen

Risiken und Nebenwirkungen

Können sich Meinungen ändern? Kann ich noch vor ein paar Jahren für das Stehenbleiben, das risikofreie Leben plädiert haben und dafür, dass es besser ist, wenig zu wagen, und es heute anders sehen? Ich kann! Weil es neben Risiken auch schöne Nebenwirkungen geben kann.

Von Charlotte für M

Es ist Weihnachten, die besinnliche Zeit, in der manch einer sentimental und vielleicht auch ein wenig traurig wird. Weil man sich fragt, was vom Jahr übrig ist, wen oder was man verloren hat und dass man möglicherweise sehr einsam ist.

Ich habe in diesem Jahr Vieles verloren, unerwartet. Aber ebenso unerwartet habe ich etwas gewonnen. Die Erkenntnis, dass das Leben schön und lebenswert ist trotz all der Steine, die es einem ab und an vor die Füße wirft. Und die erstaunliche Einsicht, dass ich möglicherweise doch nicht so risikoscheu bin, wie ich noch vor ein paar Jahren behauptet habe. Ich bin ein Wagnis eingegangen und habe dadurch jemanden aus meinem Leben gestrichen. Aber ich bin ein weiteres Wagnis eingegangen, das ich ohne das Wagnis davor nie eingegangen wäre, und habe dadurch jemanden gewonnen. Es ist ein bisschen verrückt, an so etwas wie Schicksal zu glauben, erst Recht, wenn man bedenkt, dass ich meistens für alles einen Plan habe und mich Überraschungen völlig aus dem Konzept bringen. Es gibt allerdings Umstände, die man nicht planen kann und das ist vor allem dann der Fall, wenn andere Personen involviert sind. Aus diesem Grund ist mir mein Leben in diesem Jahr zuerst (negativ) um die Ohren geflogen, damit ich es neu sortieren konnte, damit es mir anschließend erneut (positiv) um die Ohren fliegen konnte.

Vor drei Jahren hätte ich mir noch gesagt: Charlotte, bleib stehen, spring nicht, du weißt nicht, was dich erwartet! Nun bin ich an einem Punkt, an dem es auf jemand anderen Einfluss hat, ob ich stehenbleibe oder springe und ich muss mich fragen, ob nicht allein schon dieser Jemand verdient hätte, dass ich springe. Vielleicht tut es ja gar nicht weh, vielleicht fängt mich ja Jemand. Nach all dem, was in diesem Jahr passiert ist, widerstrebt es mir zutiefst, anderen Menschen als mir selbst zu trauen. Ich schaue sie an und suche ein Zeichen der Lüge, weil ich fast sicher bin, es irgendwann zu finden. Ich höre ihre Worte und wage nicht, sie zu glauben. Ich kann nicht mehr vertrauen, weil mein Vertrauen erschüttert wurde, auch das in das Gute im Menschen. Und gleichzeitig will ich es so gerne, weil es sich tausend Mal schöner lebt, wenn man zumindest ansatzweise davon ausgeht, dass Menschen ein gutes Herz haben. Ich will nicht aufgeben, was ich mir über 28 Jahre so hart erkämpft habe, aber ist es nicht so, dass man sich immer ein Stück weit aufgeben muss, wenn man jemanden in sein Leben lässt? Was bringen all die Barrieren, die man um sich herum aufbaut, wenn sie einen zwar auf Abstand vor potenziellen Risiken halten, sie einem gleichzeitig aber das vielleicht erstrebenswerteste verwehren, was man haben kann: Glück!

Es ist schwierig, sich einer Entscheidung zu stellen, die einen ängstigt. Aber sie ist auch eine Entscheidung, die helfen kann weiter zu wachsen und vielleicht sogar zu lernen, dass es Menschen gibt, die es wert sind, dass man ihnen vertraut. Ich will das Risiko eingehen und all seine Nebenwirkungen erfahren, die guten und die schlechten. Weil ich mich nicht mehr fürchten will und weil ich wissen will, ob die holprige Straße, auf der ich seit einer Weile fahre, nicht zu einem wundervollen Ziel führt.

Wer weiß schon, ob es funktionieren wird. Aber herauszufinden, dass es das möglicherweise tut, wird das größte Abenteuer überhaupt sein! Nichts wie los!

Die Kommentierung ist leider schon zuende.

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