Von Anspruch und Realität

von Anspruch und Realität: Online-Shopping

Heute bestellt, heute verschickt, morgen da! So sieht die Realität des Online-Shoppings zum Teil aus. Und wehe, wenn nicht! Aber ist sie denn auch tatsächlich Realität oder lediglich Anspruch? Und wie sieht die Zukunft des Online-Shoppings aus? Billiger, schneller, mehr?

von Charlotte

Ja, ich liebe Shopping. Und ja, auch Online-Shopping. Es ist bequem, es gibt nichts, was es nicht gibt, es ist schnell. Oder? Tatsächlich bummle ich gerne durch die Stadt und meistens fällt mir auch irgendetwas ein, das ich UNBEDINGT brauche. Erst vergangene Woche war ich mit meinen Eltern in der Stadt, ich war auf der Suche nach einem Schuh-Ersatz für meine inzwischen sieben Jahre alten und entsprechend durchgelatschten Chucks, meine Mutter nach einem Geburtstagsgeschenk. Beides fanden wir leider nicht. Meine Mutter sah sich im Geiste schon mit einer wenig zufriedenstellenden Ausführung des ursprünglich angedachten Geschenks aufwarten, während ich wie selbstverständlich in den Raum warf „Macht doch nichts, ich schaue mal im Internet.“ Meine Mutter war hocherfreut über diese Alternative und fand sich nachher gemeinsam mit mir im Internet wieder, um aus einer Vielzahl an Produkten das Passendste auszusuchen. Nun ist es also auf dem Weg. Freitag bestellt, Freitag verschickt, Samstag da! Unglaublich. Das Internet und seine unerschöpflichen Online-Shops stellen nicht umsonst eine riesige Konkurrenz zu herkömmlichen Filialen dar und ich behaupte: Nur wer rechtzeitig auf den Zug aufspringt und neben einer Filiale auch einen Online-Shop anbietet, ist heute überlebensfähig.

Bei mir läuft es zugegebenermaßen nicht immer nach diesem Schema ab: Ich schaue nicht grundsätzlich zuerst in der Stadt und dann, wenn ich nicht fündig werde, im Internet. Wenn ich weiß, dass ich den nächsten Monat vermutlich nicht in die City kommen werde, greife ich gerne auch direkt zum Laptop und lasse meinem teils beängstigenden Shopping-Wahn freien Lauf. Ob Kleidung, Deko, Küchenartikel, Geschenke, es gibt eben nichts, was es im Netz nicht gäbe. Ich kenne sogar Artgenossen, die Getränke (vorwiegend Wein) und Fleisch (vorwiegend hochwertige und exotische Fleischsorten) im Internet bestellen. So weit bin ich zwar noch nicht, aber ich lehne mich aus dem Fenster und behaupte: Der Online-Supermarkt ist der Supermarkt der Zukunft. Eine Supermarkt-Kette bietet mittlerweile an bestimmten Standorten schon einen Lieferservice an und das wäre für ältere Semester, die nicht mehr gut zu Fuß sind (dafür aber wahrscheinlich keinen Zugang zum Internet haben), eine willkommene Option.

Manchmal habe auch ich diese Tage, an denen ich das Haus am liebsten nicht verlassen würde und es durchaus praktisch wäre, einfach von zuhause aus einzutippen, was ich brauche und es am Nachmittag nachhause geliefert zu bekommen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch diese Momente, in denen ich froh bin, im Supermarkt selbst entscheiden zu können, welche Paprika ich kaufe und in denen ich mich freue, mit netten Verkäuferinnen und skurrilen Einkäufern in Kontakt zu kommen. Oder in denen mir die Vorstellung, Lebensmittel online zu kaufen, schlichtweg zuwider ist!

Letztens habe ich mich dabei erwischt, wie ich mich darüber ärgerte, dass ein im Internet mit der Verfügbarkeit „sofort lieferbar“ gekennzeichnetes Produkt erst über eine Woche später ankam. Und dabei wurde mir bewusst, wie verwöhnt ich inzwischen bin, weil manche Teile eben einen Tag, nachdem ich die Bestellung aufgegeben habe, schon da sind. Man gewöhnt sich so schnell an diesen Komfort, dass man ihn allzu rasch als selbstverständlich sieht und vergisst, dass hinter all der Logistik und dem Versand Menschen stehen, die meistens viel zu schlecht bezahlt sind für den Luxus, den sie mir als Empfänger bieten. Letzte Woche diskutierten wir noch über ständige Erreichbarkeit, diese Woche erwarte ich sie schon selbst. Das Internet kennt keine Wochenenden! Das wurde mir erst letzthin bewusst, als ich um neun Uhr abends eine E-Mail an den Amazon-Support schickte und innerhalb von zehn Minuten eine Antwort bekam. Und zwar keine Standard-Systemnachricht! Das hat dann auch mich verwundert und ehrlich gesagt ein bisschen erschreckt. Denn bei allem 24-7-Service bin ich auch selbst Arbeitnehmerin, und zwar eine, die ein gewisses Freizeitbedürfnis hat. Ich lege Wert auf Wochenenden und möglichst geregelte Arbeitszeiten. Und trotz meines verwöhnten Konsumverhaltens, hätte ich Verständnis dafür, wenn andere es auch täten. Mein Dank gilt all jenen, die wider den geregelten Alltag dafür sorgen, dass mir Freizeitbeschäftigungen und angenehme Errungenschaften wie das Online-Shopping tagtäglich rund um die Uhr uneingeschränkt und inklusive Service zur Verfügung stehen. Hut ab!

Die Kommentierung ist leider schon zuende.

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