Von Knöpfen und Töpfen

Bringt eine emanzipierte Frau ihrem Partner die Pantoffeln? Schmiert sie ihm ein Brot? Und tut sie es, weil sie eine Frau ist – oder schlicht und ergreifend aus Liebe? Natürlich, das Thema ist alt. Aber das heißt nicht, dass es nicht aktuell ist.

I wish I could but I don’t want to

von Ines

Eine Traumfrau bin ich nicht gerade. Wer diesen Blog verfolgt, wird mir zustimmen. Ich bin zerstreut und mache Sachen kaputt. Ich bin müde und faul. Ich bin über 30. Und: Ich hasse Haushalt. Waschen, putzen, einkaufen: notgedrungen. Kochen, spülen, abstauben: widerwillig. Bügeln, flicken, Knöpfe annähen: nie. Um es mit Friends zu sagen: „I wish I could but I don’t want to.”

Wutentbrannt schickt meine Schwester mir einen Artikel aus einer nicht allzu bekannten, nicht allzu seriösen Lokalzeitung. „In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich????“, schreibt sie. „1914 oder 2013, das ist hier die Frage!“ Ein Mann zeigt seine Zuneigung anders als eine Frau, behauptet der Autor. Zum Beispiel: indem er ihr im Haushalt hilft. „Mein Ehemann hat seine Tasse in die Spülmaschine geräumt“, erzürnt sich meine Schwester. „Juhu, er liebt mich!“

Was soll ich sagen? Sie hat Recht. Allein die „Er hilft ihr“-Formulierung spricht Bände – und zwar nicht von seiner glühenden Liebe, sondern von der Gesellschaft, in der wir immer noch leben.

„Jetzt muss ich aber aufhören, Rudolf wird schon ganz ungemütlich, wenn er nicht endlich sein Futter bekommt!“, beendet mal wieder eine meiner Freundinnen eines unserer Endlos-Telefonate. Und nein, Rudolf ist nicht der quengelnde Dreijährige, dem es nach seinem Brei verlangt, nein, Rudolf ist auch nicht der Kater, der Hund oder Hamster. Rudolf ist ein Mann, im Durchschnitt 1,82 Meter groß, 74 Kilo schwer und 31 Jahre alt, Rudolf ist intelligent, gebildet, lebensfähig, und ich denke, ich verspreche nicht zu viel, wenn ich ihm unterstelle, sich wahrhaft ganz alleine ernähren zu können.

Ich kenne emanzipierte, schlaue, schöne, rundum wunderbare Frauen, die tagsüber Menschen aufschneiden, Formeln erfinden, Programme entwickeln, Maschinen konstruieren oder mit schwindelerregenden Beträgen derart komplexe Dinge anstellen, dass ich nicht den Hauch einer Ahnung davon habe, was sie da eigentlich tun. Und die, sobald sie abends die heimische Schwelle überschreiten, noch Ally-McBeal-gewandet in Nadelstreifenkostüm, rotem Lippenstift und Killer-Heels, nichts Dringlicheres im Sinn haben, als so rasch wie möglich eine deftige Mahlzeit auf den liebevoll gedeckten Küchentisch zu platzieren. So ungefähr stelle ich mir das jedenfalls vor, wenn ich höre, womit zahlreiche Karriere-Frauen ihre knappbemessene Freizeit verbringen. Kochen, putzen, spülen: täglich. Einkaufen, Kissen aufklopfen, abstauben: häufig. Wäsche waschen, bügeln, Knöpfe annähen: immer, wenn Rudolf ein neues Hemd braucht.

Schuld sind natürlich die Männer. Der Kunde, der eine weibliche Führungskraft mit „Hase“ oder „Fräulein“ tituliert, der Kollege, der fragt, ob „die Mutti denn auch jeden Morgen das Müsli macht“, der Chef, der einer 30-Jährigen die versprochene Gehaltserhöhung ausschlägt mit den Worten: „Mehr Geld brauchen Sie doch gar nicht, Sie haben ja einen Mann!“ Aber schuld sind auch die Frauen, selber schuld, wenn man so will. Eine britische Studie zeigt, dass zwar vier von zehn Paaren sich die Hausarbeit teilen (was nun nicht besonders viel ist, ausgehend davon, dass bei den restlichen nicht drei Männer und drei Frauen den Großteil übernehmen, sondern sechs der sechs Frauen). Drei Stunden pro Woche allerdings verwendet die Frau darauf, das, was der Mann an Haushalt erledigt hat, noch einmal neu zu machen.

Nun ja. Meine Schwester und ich, wir neigen zum anderen Extrem, um es zuzugeben. Wir wollen die jahrtausendelang von Frauen (wenn auch nicht von uns) erledigte Hausarbeit nun auf den Mann abwälzen, sprich: sind unserer Berechnung nach erst in rund zweihunderttausend Jahren wieder an der Reihe, den Müll runterzubringen.

Das Paradoxe ist, dass wir uns beide sehr gerne um unsere Lieben kümmern. Geschwistern, Freunden, Besuchern Brote schmieren und dekorieren, Handtücher hübsch gefaltet ins Bad legen und Lieblingsspeisen zubereiten. Nur beim Liebsten der Lieben werden wir panisch, fürchten, in eine allzu weibliche Rolle gedrängt zu werden und nie wieder herauszukommen, sobald wir ihm aus Versehen mal ein Glas Wasser bringen. Als mein Freund noch nicht mein, sondern ein Freund war und bei mir zu Besuch, kaufte ich Köstlichkeiten, servierte sie ihm mundgerecht und wohlbekömmlich zum Abendessen. Als er ein paar Monate später als Mann an meiner Seite vorbeikam, schmiss ich ihm einen Laib Brot entgegen und forderte ihn auf, sich selbst zu nehmen, zu machen, zu holen, wenn er irgendwas zu essen haben wolle.

Doch Frauen irren sich, wenn sie denken, ihre Zuneigung auf die Weise zeigen zu müssen, über die sie sich selbst am meisten freuen. Manchmal überkommt es mich und ich will ihm etwas Gutes tun, weil ich ihn ja eigentlich ganz gerne mag. Dann renne ich zur Tür, sobald ich seine Schritte höre, im einen Arm einen Staubwedel, im anderen einen Nudelauflauf, er sieht mich verwundert an und schielt sehnsüchtig hinüber zu Sofa und Fernseher. „Es ist so schwer, dir einen Gefallen zu tun“, beschwere ich mich. Er schüttelt den Kopf: „Es ist gar nicht schwer, ganz im Gegenteil. Mach doch einfach das, was du sonst auch immer machst: nichts.“

 

Liebe ist kein Solo. Liebe ist ein Duett.

von Charlotte

Ich habe das große Glück, einen Partner zu haben, der mich in vielerlei Hinsicht unterstützt. Ob er das aus Liebe tut, weiß ich nicht. Vielmehr glaube ich, dass Partnerschaft auch für ihn ein Geben und Nehmen ist. Wir schmeißen den Haushalt zusammen, je nachdem, wer gerade mehr Zeit hat. Und tatsächlich freue ich mich jedes Mal, wenn ich nach Hause komme und die Wäsche schon gewaschen oder das Essen schon gekocht ist. Ich rechne ihm das hoch an. Dabei war er schon früher so, als er mich noch nicht hatte. Anders als in manch einer Junggesellenbude herrschte bei ihm auch als Single keinerlei Chaos. Als ich das erste Mal seine vier Wände betrat, war ich von der farblichen Gestaltung eben dieser mindestens genau so überrascht, wie von der Ordnung und dem Sinn für geschmackvolle Dekoration. Dass ich mich nach mehreren Jahren Beziehung nun immer noch über seine Hilfe im Haushalt freue, hängt vielleicht mit meinem Jugend-Trauma zusammen. Denn in den Beziehungen davor, verhielt es sich noch etwas anders.

Es gibt diesen Typ Mann (damals waren es eher noch Jungen), die sich niemals von mütterlicher Fürsorge loslösen können. Und wenn sie die nicht mehr von ihren Müttern bekommen, dann eben von ihren Partnerinnen. Vor allem in meiner letzten Beziehung habe ich aufopferungsbereit allerlei häusliche Pflichten übernommen. Obwohl ich – entgegen aller Vorurteile – für das Studium immer viel zu tun hatte. Und obwohl ich mich nicht einmal in meiner eigenen Wohnung befand. Genau genommen fühlte ich mich sogar für die gesamte WG meines damaligen Freundes verantwortlich. Mit Liebe hatte das aber nichts zu tun. Eher damit, dass ich ein ernsthaftes Problem mit Dreck, Staub und Unordnung habe. Ich habe es nie verstanden, wieso Männer ihre Klamotten direkt vor dem geöffneten Kleiderschrank fallen lassen, statt sie einfach in diesen hinein zu räumen. Ebenso so wenig habe ich verstanden, wieso Männer dreckiges Geschirr auf der Arbeitsfläche über der Spülmaschine abstellen, statt es direkt einzuräumen. Da sich abgesehen von mir in dieser Männer-WG niemand dafür verantwortlich fühlte, Chaos zu beseitigen, die Toilette zu putzen oder das von Männerhaaren verstopfte Haarsieb in der Badewanne zu leeren, habe ich es einfach selbst gemacht. Nur so konnte ich mich überhaupt dort aufhalten. Ein kleiner Winkel meines damals wenig selbstsicheren Unterbewusstseins mag es auch als Ausgleich für meine sonst – so mein Irrglaube – mangelnden Qualitäten verstanden haben. Ich befürchtete, jemanden eher für mich begeistern zu können, wenn er darin einen nützlichen Charakter sah. Und sei es nur der Haushalt. Wenigstens ist man hinterher immer schlauer!

Inzwischen stehe ich im Arbeitsleben und akzeptiere die Einstellung nicht mehr, dass mein „Bürojob“ weit weniger anstrengend sei als der meines Partners. Und ebenso wenig akzeptiere ich es, meine kostbare Freizeit dann für den Haushalt aufwenden zu müssen. So erledigen wir vieles – getreu dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ – einfach zusammen.

Zugegeben: Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich ihm gerne ein Butterbrot schmiere. Ab und an spielt mir mein Selbstbewusstsein einen Streich und verlässt ohne mich das Haus. Dann kommt mir das Gefühl, gebraucht zu werden, ganz Recht. Das Butterbrot wird zur Kompensation für meine falsche Selbsteinschätzung. Wenn mich sonst schon nichts auszeichnet, dann wenigstens meine Fürsorge. Diese Momente sind meistens aber schnell vorbei. Spätestens wenn ich inklusive Butterbrot bei meinem Partner auf der Couch ankomme und er sich darüber beschwert, dass ich statt Butter nur Margarine drauf geschmiert habe, ist meine Fürsorge dahin.

Ich möchte an dieser Stelle einmal anmerken, dass es aber durchaus Frauen gibt, die Staub wischen, um sich abzureagieren, die Backen, um abzuschalten, die kochen, um sich selbst etwas Gutes zu tun und die die hypnotische Wirkung des Bügelns als Ausgleich zu ihrem hektischen Berufsalltag nutzen. Wieso nicht? Ich gehöre dennoch nicht dazu. Ich wische Staub, weil es sein muss. Und auch wenn ich eigentlich ganz gut backen kann, tue ich das nur „eventbezogen“. Ich koche des reinen Überlebens wegen. Mein Freund kauft sich bügelfreie Hemden. Und hat uns (eigentlich eher sich, weil solche Anschaffung definitiv ein Männerphänomen sind) einen Staubsaugerroboter gekauft. Am ersten Abend mit unserem neuen Familienmitglied haben wir uns dabei ertappt, wie wir ihm vom Sofa aus Krümel zugeworfen haben, um zu testen, ob er wirklich alles aufsaugt. Tut er, Daumen hoch, eine super Erfindung.

Die Kommentierung ist leider schon zuende.

Beitragsnavigation

javaversion1