Zwischen Ekel und Belustigung

Zwischen Ekel und Belustigung

Jeder kennt sie, jeder hat sie selbst schon mal verschickt, aber findet sie auch jeder lustig? Videos und Bilder, die das tägliche Arbeitsleben oder den privaten Kommunikationskreis erheitern sollen. Ob sie wirklich so erheiternd sind und ob es nicht manchmal etwas zu viel des Guten ist, wollte unser Gastautor Aaron wissen und nutzt die Gelegenheit, um so manches einmal klar zu stellen.

von Aaron

Vermutlich jeder, der bei seiner Arbeit einen PC-Zugang besitzt, kennt sie, die kleinen, lustigen Bilder, Videos, PowerPoint- Präsentationen, die ganz unvermittelt im Email-Posteingang landen. Man öffnet die Datei, guckt sich die kurze Sequenz an, schmunzelt darüber, lacht oder schüttelt nur den Kopf, schickt sie dennoch an die Kollegen weiter. So habe ich es kennengelernt, als ich ins Berufsleben eingestiegen bin. Diese kleinen Aufheller, ob sie nun besonders schlecht waren, oder besonders witzig, sie hielten sich hartnäckig in den Posteingängen. Ich bin jemand, der Berufliches und Privates trennt. Genau genommen ist das recht schwierig, da ich, wie viele Millionen andere auch, einen Großteil des Tages bei der Arbeit verbringe. Jedoch gehören solche kleinen Witzmails meiner Meinung nach auf die Arbeit. Heute gibt es Smartphones, und per WhatsApp werden solche Videos mittlerweile auch gern privat verbreitet. Nun ist das mit der Trennung schwierig. In meiner Freizeit habe ich anderes zu tun, als mir diese kurzen Sequenzen anzusehen. Was  nicht heißt, dass ich ausgerechnet auf der Arbeit nichts zu tun hätte. Nur assoziiere ich diese Videos einfach mit der Arbeit, sie sind für mich eine Sache unter Kollegen, die ich nicht unbedingt mit in meine Freizeit nehmen muss.

Mittlerweile scheint das Ziel der Absender außerdem nicht mehr die Belustigung oder auch nur ein kleiner Schmunzler zu sein. Ist es lustig, wenn ein Mann von einer Klippe springt, sich sein Gesicht auf einem Stein aufschlägt und dieses danach gezeigt wird? In der Mitte gespalten, und der Mensch war bei Bewusstsein? Amüsiert es, ein Video zu sehen, in dem sich ein Mann zur Frau umoperieren lässt? Mit allen Details? Wer kann darüber schmunzeln, wenn jemandem bei vollem Bewusstsein die Haut vom Hals abgetrennt wird? Kann man darüber lachen, wenn sich einem vor Ekel eher die Nackenhaare aufstellen sollten?

Ich kann es nicht! Mittlerweile wehre ich mich dagegen, mir solche Videos anzusehen. Ich bin ein heiterer Mensch und lache gerne, aber ich möchte mich nicht ekeln und Bilder im Kopf haben, die ich nach Stunden immer noch vor Augen habe! Es scheint mir, als zähle schon lange nicht mehr die Belustigung, sondern eher der Aufstellungsgrad der Härchen am Unterarm bei Gänsehaut. Finden wir nicht mehr die Grenze zwischen witzig und pervers? Von diesen kleinen Videos kann man kein Niveau erwarten, das ist mir klar, aber belustigen uns Blut und Schmerzen mehr als alles andere? Haben wir Fantasien und Gedanken in unserem Unterbewusstsein, von denen wir nichts zu wissen glauben? Sind es einfach nur Videos, um Langeweile zu vermeiden, oder steckt mehr dahinter?

Ein Gedanke zu “Zwischen Ekel und Belustigung

  1. april on 5. Dezember 2013 at 12:33 said:

    Oh, die Blut-Welle ist hier offenbar noch nicht angekommen – hier gibts momentan weiterhin nur die süßen und haha-lustigen Bildchen und Clips, Katzen und sowas… kann in der Masse zwar auch nerven, aber zum Glück nichts, was einem das Mittagessen verdirbt oder Alpträume beschert!

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